“Meditation is middle way”, höre ich die lethargisch monotone Stimme von Ajahn Po noch immer in meinen Ohren. Die Schwere der feuchten Tropenluft legt sich auf den Körper und die Moskitos bohren sich ununterbrochen in die Haut, während ich um 4 Uhr morgens kaum meine Augen aufhalten kann und fast im Sitzen einschlafe. Wir befinden uns im südlichen Thailand, in Chaiya, genaugenommen im buddhistischen Kloster Suan Mokkh, das einmal im Monat seine Pforten für ausländische Ruhesuchende öffnet.

Einmal so richtig weg von jeglicher Zivilisation, jeglichem Lärm, jeglicher Ablenkung – nichts als die Ruhe, die absolute Ruhe. Rein theoretisch eine traumhafte Vorstellung, der ich mich mit Optimismus, Neugier und Humor näherte – man ist ja offen für neue Erfahrungen und spirituelle Einflüsse. Das erste Lachen sollte aber schon bald vergehen, kurz nach dem gemeinsamen Abendessen bereits als das große Schweigen eingeläutet wird. Jetzt heißt es 10 Tage lang kein Wort miteinander wechseln, nicht lesen, nicht schreiben, keine Musik hören und keinerlei sonstige Ablenkungen und Annehmlichkeiten genießen. An sich nicht das große Problem, unterhalten kann ich mich auch mit mir selber, wenn nicht um 4 Uhr schon der Morgengong die Idylle stören, 2x am Tag köstlicher Reisschleim den Teller zieren und der ganze Körper schon vom Lotussitz und von steinerner Schlafunterlage schmerzen würde.
4x am Tag konzentrieren wir verwöhnte Europäer uns darauf Geist und Körper zu reinigen und von jeglichen äußerlichen Einflüssen fernzuhalten. Morgenyoga, Morgenlesung, Meditation im Sitzen, im Stehen und im Gehen, ergänzt mit einer Loving Kindness Meditation und Gesängen am Nachmittag füllen, man glaubt es kaum, denn ganzen Tag aus, ohne dass nur einmal Langeweile aufkommt. Nach den ersten beiden Tagen fragt man sich, warum man sich das bloß antut, ab dem dritten Tag findet man sich damit ab, ab dem vierten Tag atmet man schon einen Hauch von Nirvana ein und in den letzten Tagen bringt der Gedanke an die baldige Entlassung bereits Ablenkung. ”Better every day, better, better …”, tröstet man uns zwischendurch. Und am Ende war wie immer alles nicht so schlimm.

Wie ein Stein liegen die Mantras der Lehre noch immer in meinem Kopf: “The mind is like a clear sky, the thoughts are coming and going like clouds.” Die Philosophie des Loslassens aller irdischen Genüsse trainierten wir 10 Tage lang intensivst, aber die Schokolade danach war der absolute Wahnsinn – eine wahrhafte Explosion der Sinne!

 
 

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