Johannesburg
Man glaubt es kaum, aber Johannesburg zählte tatsächlich zum Highlight des Südafrikaaufenthaltes. Aber das mag wohl daran liegen, dass wir uns bei einer bekannten Familie eingenistet haben und man durch Einheimische immer einen anderen Blickwinkel geboten bekommt!
Jeden Tag war volles Programm angesagt und wir haben auch das joburger Nachtleben ordentlich ausgekundschaftet. Vom Universitätsschiclub (ja es gibt
südafrikanische Schiclubs!!! Gefahren wird in Lesotho auf einer beschneiten Piste in luftiger Bekleidung!) über schlechte und bessere Lokale, wo man sich schon mal eine zeitlang anstellen muss um hineinzukommen bis hin zum afrikanischen Restaurant, wo man noch eine Gesichtsbemalung inklusive bekommt, haben wir alles durchgemacht.
Auf die Frage wo es denn hingeht und wie lang das dauert, bekommt man immer nur ein
lässiges „just around the corner“, es sei ja nicht weit zu hören und fährt mal eine dreiviertel Stunde durch die Gegend und auf der Autobahn herum!
Zu unseren Ausflugszielen gehörten der Vergnügungspark Gold Reef City, wo man neben den üblichen Herzrasen verursachenden Gerätschaften noch eine Minenfahrt machen kann, beim Goldgießen zuschaut, afrikanische Performances und Tänze bewundern kann und es eine riesige Auswahl an Edelsteinen zu kaufen gibt. Zwischendurch ein Abstecher zum Nelson ![]()
Mandela Square, wo sich eine überlebensgroße Statue des Nationalhelden befindet, umsäumt von gemütlichen Cafés und Restaurants.
Wenn wir schon keine Safari machen, dann wenigstens einen Ausflug in den Lion´s Park um auf Tierschau zu gehen. Der Park liegt in Jo´burgs näherer Umgebung und man kann bequem mit eigenem Auto durch die Anlage fahren und dabei Antilopen, Zebras, Giraffen und natürlich Löwen beobachten. Wir hatten Glück und konnten sogar eine Fütterung miterleben, wo von kleinen, offenen Lastwägen ganze Antilopenschenkel und -beine verfüttert wurden. Man kann wirklich sehr nahe an die die Tiere heran und vor allem die
Babylöwen sehen zum Knuddeln aus, aber aus dem Auto aussteigen ist wirklich nicht empfehlenswert. Anscheinend ist ein japanischer Tourist wirklich mal ausgestiegen und wurde von einem Löwen angefallen!
Sehr interessant war die Fahrt nach Soweto (South West Township), wie der Name schon sagt ein Township von Johannesburg. Im Minibus wurden wir von einem Guide abgeholt, der uns die Geschichte dieser Stadt näher bringen sollte. Soweto ist vor allem für den Kampf gegen die Apartheid ein Begriff mit dem Schlüsselereignis im Jahr 1976 als der 13jährige Hector Pieterson (als erster unter
einigen anderen) beim Aufstand am 16. Juni durch Polizeischüsse starb. An jenem Tag war lediglich ein friedvoller Marsch der Studenten entlang der Vilakazi Street zum Orlando Stadium geplant um gegen Afrikaans als Unterrichtssprache in schwarzen Schulen zu protestieren. Jedoch ereignete sich der Protestmarsch nie und der Tag nahm ein tragisches Ende. Zum Gedenken an die Ereignisse wurde ein Museum errichtet und ein Denkmal, beide nach Hector Pieterson benannt. Das Museum vermittelt einem die Geschichte der Ereignisse durch unzähliges Video-, Audio- und Bildmaterial, sodass man nachher einfach fassungslos wieder hinausgeht. Auch das Haus von Nelson Mandela in der Vilakazi Street haben wir besichtigt, anschließend vorbei an den Hüttensiedlungen, dem
Krankenhaus und dem Markt mit lebenden Hühnern zum Verkauf. Wenn man sich in Soweto öffentlich bewegt, muss man genau wissen wo man hin will und vor allem welches Handzeichen man dem Minibustaxifahrer geben muss, denn je nach dem, was man mit den Fingern signalisiert, geht die Reise auch hin!
Das einzige Mal in Central Jo´burg haben wir uns lediglich für die Fahrt in das Carlton Center aufgehalten, der das höchste Gebäude von Afrika ist mit 220 m und von der Aussichtsplattform „Top of Africa“ einen Blick über das ganze Zentrum mit seiner Skyline bietet.![]()
Das Aufregendste war auf jeden Fall unser Flug in einer kleinen Cessna über Jo´burgs Umgebung mit einem Freund der Familie. Zwischen Faszination für die Landschaft und Formenvielfalt und Schweißausbrüchen auf Grund von Todesängsten saß ich in meinen Sitz verkrallt, da der Pilot meinte unbedingt ein paar Flugübungen mit uns machen zu müssen und hin und wieder „vergessen“ hat uns vorzuwarnen.![]()
Die paar Tage in Johannesburg waren ziemlich unvergesslich, vor allem weil uns die Familie und der Freundeskreis so herzlich aufgenommen und integriert haben und uns das Gefühl gaben zur Familie zu gehören.
Natürlich bewegten wir uns fast ausschließlich nur in Vierteln der besser betuchten Schichten, wo es sich auch dementsprechend leben lässt. Aber die
Trennung von „Schwarz“ und „Weiß“ ist leider in vielerlei Hinsicht noch immer spürbar, zum Beispiel in Form von Stadtteilen, wo nur Weiße leben oder im Stadtzentrum hauptsächlich nur Schwarze. Auch arbeiten in diesen wohlhabenden Gegenden fast nur Dunkelhäutige in Form von Hausangestellten, Parkwächtern, Kellnern und ähnlichem für die weiße Bevölkerung, die in der Realität nur einen Bruchteil der südafrikanischen Bevölkerung ausmacht. Aber wenigstens werden so auch Arbeitsplätze geschaffen, denn ich habe bei uns noch nie jemanden gesehen, der jedem Tourist einzeln die Eintrittskarte in den Automaten schiebt!

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