Der Anfang in Australien fiel nicht ganz so leicht, da einerseits der Jetlag und die Zeitverschiebung ordentlich wirkten und andererseits die dicke Wolkendecke bei der Ankunft nicht unbedingt zu unserem Wohlbefinden beigetragen hat. Die Oper und die Harbour Bridge verschwanden im diesigen Grau und überhaupt kam uns nach Südafrika alles ein wenig „eingefroren“ vor, da der Kontakt auch nicht so leicht fiel wie dort. Zwar vermittelt Australien sicher ein unkonventionelleres Lebensgefühl als Europa, alleine schon wenn man die tausende Kilometer Küste und das Klima in Betracht zieht, aber trotzdem noch weit entfernt von dieser bedingungslosen, südafrikanischen Freundlichkeit. Aber solang man hier mit Surfbrett und Badebekleidung durch die Stadt schlendert ohne dass man komisch angeschaut wird, ist alles halb so schlimm.

Einquartiert haben wir uns in der Nähe des berühmt berüchtigten Bondi Beach, der sooo toll ja gar nicht ist. Die benachbarten Strände sind etwas ruhiger und netter als der Hauptstrand. Hauptbeschäftigung am Strand ist Leute beobachten von denen es hier massig viele gibt und das bei fast jedem Wetter. Coole Surfertypen oder auch Möchtegerns bei ihren Versuchen zusehen und beobachten wie die Sydneysiders fanatisch ihrem Sportprogramm nachgehen. Etwas Vergleichbares haben wir nur noch in Brasilien beobachten können, das meiner Meinung nach das Wettrennen um die sportlichste Nation der Erde gewonnen hat!

Oper von SydneyHarbour BridgeHafen von SydneyBondi Beach

Als wir zum zweiten Mal nach Sydney kamen, konnten wir uns die Stadt mit ihren ganzen Sehenswürdigkeiten noch mal bei Schönwetter ausgiebig ansehen.

Canberra, aktuelle Hauptstadt, künstlich angelegt um das Wetteifern zwischen Sydney und Melbourne zu beenden, haben wir in zwei Tagen hinter uns gebracht. Geschlafen haben wir im YHA City Hostel, das bis dahin mit Abstand das schönste und sauberste war, eine riesige, gut ausgestattete Küche und sogar Whirpool und Sauna!
Eine klar strukturierte, artifizielle Stadt, die anscheinend wirklich nur dazu dient ihre Funktion zu erfüllen, aber wenigstens dachte man dabei auch auf genügend Grünanlagen. Im Zentrum gibt es eine Einkaufsstraße als Fußgängerzone, wo man noch die meisten Leute trifft. Zu unsern „activities“ zählte auch das Besichtigen des Universitätscampus, von dem man sich bei uns eine Scheibe abschneiden könnte. Aber dafür kosten diese Unis auch eine Menge Geld und verfügen so über Mittel, die wir definitiv nicht haben.
Noch ein Spaziergang oder besser Gewaltmarsch zum Parlament am Capital Hill, das ein ziemliches Stück von der City entfernt ist, aber architektonisch sehr interessantes Gebäude. Ein Blick in die Nationalbibliothek und weiter ging die Fahrt nach Melbourne, wo man sich über Langeweile kaum beklagen kann!

Parlament in CanberraCanberraNationalbibliothek

Dort haben wir es immerhin zwei Wochen ausgehalten, da wir gerade zeitgleich mit den Commomwealth Games und dem Grand Prix von Melbourne dort waren, das heißt, dass daneben noch unzählige andere Veranstaltungen liefen. Außerdem konnten wir für ein Hostel (Coffee Palace in St. Kilda) „arbeiten“, sprich Flyer verteilen und bekamen dafür gratis Unterkunft. Das ganze Hostel schien aus fleißig arbeitenden Gästen zu bestehen, da haben wir uns schon gefragt, ob es überhaupt irgendwie Gewinn machte. :) Bevor wir aber unseren „Job“ ergattert hatten und in dieses nette Hostel geflüchtet sind, wo es jeden Tag in der Früh sogar gratis Palatschinken und Cornflakes gibt, blieben wir im Oslo Hotel, das in der gleichen Straße situiert ist, aber ziemlich ungemütlich und saudreckig war!
In unserer Nachbarschaft in St.Kilda gibt es auf der sogenannten Esplanade einen süßen Markt mit viel Hippiezeug und am Strand kann man ein Schiffswrack bewundern. Am Abend ist in St. Kilda meistens Party angesagt, vor allem im Espy Hotel, wo es meistens Live-Musik gibt.

Federation SquareMelbourneSchiffswrack

Der zentrale Punkt Melbournes ist der Federation Square am Ufer des Yarra Rivers, wo jeden Tag Konzerte stattfanden. Im Rahmen dieses riesigen Entertainment Programms waren im anschließenden Park ebenfalls zahlreich Bühnen, Zelte und Stände aufgebaut. Die Innenstadt rund um die Flinders Street Station mutierte zu einem einzigen großen Menschenmob, der sich zwischen Sportveranstaltungen, Straßenbahn, Einkaufsstraße und Federation Square bewegte. Am Abend zeigte sich ein besonders spektakuläres Bild: die ausgeleuchteten Ufer des Flusses mit fischförmigen Skulpturen im Wasser, aus denen am Abend Fontänen mit Hologrammen entsprangen, untermalt von der bunten Skyline im Hintergrund. Das Highlight war schließlich das riesige Feuerwerk, die Stadt als einziges, großes Lichtspiel.

Melbourne bei NachtPartytramFederaton Square

Selten, aber doch wird man noch daran erinnert, dass es vor diesen Superlativen auch noch etwas anderes gab, so sagte der Sänger einer Aborigines Band, die dort ihren Auftritt hatte, ziemlich treffend: „We were the first, not the Commonwealth Games. Keep that in mind!“ Das vergessen wohl die meisten, die sich hier an den Spielen erfreuen. So fand ich es sehr unpassend als eine Gruppe angeheiterter Australier ganz vorne stand und ihre riesige Flagge in die Höhe hielt als die Band spielte.
Die Spiele wurden in der ganzen Stadt auf Leinwänden übertragen, also wenn man nicht live dabei war, war man trotzdem live dabei in entspannter Atmosphäre.
Im berühmten MCG (Melbourne Cricket Ground) haben wir uns Leichtathletik angesehen und in der fast letzten Reihe (dabei sein ist alles!) verfolgt wie die Gastgeber eine Medaille nach der anderen holten. Und zwei Wochen später saßen wir beim Grand Prix Qualifying. Das war schon ein Erlebnis, aber im Fernsehen hat man doch mehr Überblick, da man hier logischerweise die Autos nur in Intervallen vorbeirasen hört und sieht, sodass man echt einen Stress beim Fotografieren hat.

MCGGrand PrixLeichtathletik

Zum Einkaufen gibt es in Melbourne Möglichkeiten ohne Ende: in die Brunswick Street mit ihrem bohemen Flair sollte man auf jeden Fall schauen, wo es wirklich hippe Sachen und Secondhand gibt, sowie auch in die Parallelstraßen, wo man viele Surfshops findet. Im rechteckigen Zentrum Melbournes zwischen Flinders und La Trobe Street gibt’s einfach alles, was das Herz begehrt und ein riesiges, mehrstöckiges Einkaufszentrum überdacht mit einer Glaspyramide. Uns schließlich noch der große Queen Victoria Market zum Bummeln. Meine Favoriten bleiben auf jeden Fall die Asia Shops, wo es alles Mögliche am billigsten zu kaufen gibt und die Riesensushirollen.
Am besten lässt man die Stadt auf sich wirken indem man eine Rechteckrunde (wie eben die Ringrunde in meiner “Lieblingsstadt” Wien) mit der üppig geschmückten pakistanischen Partytram fährt, deren Weg auch an den Docklands mit den interessanten Skulpturen vorbeiführt und die noch dazu nichts kostet!

 
 

No Responses to “Sydney, Canberra und Melbourne”  

  1. No Comments
Posting Your Comment
Please Wait

Leave a Reply

There was an error with your comment, please try again.