Nach einer 19stündigen Busfahrt von Adelaide nach Alice Springs kommen wir in dieser mehr als unwirtlichen Gegend namens Outback an um uns einer 3tägigen Tour anzuschließen. Schon auf der Fahrt bekommen wir ein Gefühl für diese unendliche Dimension von Raum. Am Weg gibt es so ziemlich gar nichts, nix, nada, niente, außer endlos lange gerade Straßen, Sträucher und viel rote Erde. Auch ein Wahnsinn, diese monströsen Stoßdämpfer der Busse und Trucks um sich vor hüpfenden Kängurus zu schützen, aber wer schützt die Kängurus??? Auf dem Weg gibt es auf dem Weg noch Sehenswertes wie z.B. Coober Pedy, wo Edelsteine abgebaut werden und die großen Salzseen, aber aus Zeitmangel konnten wir das nicht mehr machen und mussten durchfahren.

Nach der Ankunft sind wir gleich ins Malenka Backpackers gefallen, das es sich gleich vis-a-vis von der Busstation befindet. Die Zimmer sind irrsinnig eng und winzig, aber zumindest gibt es einen Pool! Die Tour haben wir aber dann von Annie´s Place aus gemacht, gleichnamiges Hostel gibt es gleich dazu, das zugegebenermaßen auch viel schöner war als unseres (wieso sind wir eigentlich nicht dort geblieben?).
In Alice Springs selber haben wir nicht wirklich viel Zeit verbracht, da es für die meisten sowieso nur Ausgangs- und Endpunkt einer Tour darstellt. Hier sieht man schon überdurchschnittlich viele Aborigines, die auch aktiver am sozialen Leben beteiligt sind. Aber trotzdem hat sich für mich das Vorurteil bestätigt, das man kennt: leider gibt es sehr viele, die nur die Leute anschnorren und ziemlich am Sand sind. Ihre gesellschaftliche Situation ist mit Sicherheit nicht die einfachste, aber dadurch, dass man Uluru und umliegende Gebiete wieder in den Besitz der Aborigines gebracht hat (eigentlich ein Widerspruch in sich, da es in ihrer Kultur die Vorstellung von Landbesitz gar nicht gibt), gibt es viele Möglichkeiten und Projekte um vom Tourismus profitieren zu können. Immer noch besser sie sitzen in Alice Springs den ganzen Tag unter dem Baum und verkaufen ihre Malereien als sie sitzen dort und betrinken sich. Die Aborigines wurden wohl nie gefragt, ob sie diesen neuen Markt überhaupt wollen, sie mussten sich einfach umorientieren.

Kings Canyon

Kings CanyonKings CanyonKings Canyon

Gleich am nächsten Tag hieß es um 5 Uhr aufstehen um uns mit der fast 40köpfigen Gruppe in zwei Minibussen auf den Weg zu machen. Unser erstes Ziel war eine Kamelfarm, wo wir die Möglichkeit hatten eine Runde auf dem Kamel zu reiten. Zugegeben, ich hab es auch ausprobiert, aber eigentlich sollte man das ja nicht unterstützen, dass die armen Tiere für die blöden Touris auf und ab rennen müssen.
Wenige Stunden später beim Kings Canyon (nordöstlich vom Uluru) angekommen, machten wir uns bereit für die Wanderung. Unbedingt ganz ganz viel Wasser und Sonnencreme mitnehmen. Und jetzt würde ich mir sogar so einen Tropenhut mit Fliegennetz über dem ganzen Kopf zulegen, da einen die Fliegen einfach in den Wahnsinn treiben bis man sich vor lauter Ärger und Herumfächern nicht mehr helfen kann. Der erste Abschnitt der Wanderung zum Canyon wird liebevoll der „heart attack kill“ genannt, da er einen ziemlich aus der Puste bringen kann. Das steilste Stück gleich zu Beginn und diese Temperaturen noch dazu, aber schlimmer wird es dann wenigstens nimmer! Für jemanden, der noch nie in so einer Gegend war, ist es sehr beeindruckend. So stell ich mir den wilden Westen der USA auch vor. Felsformationen, Plateaus und Schluchten mit verdörrten Bäumen dazwischen, eine Landschaft, die kaum mehr als einen letzten Hauch Leben ausstrahlt, der sich in den wenigen vorhandenen Wasserlöchern widerspiegelt. Eines davon ist der „Garten von Eden“, wo wir im fast schwarz gefärbten Wasser ein erfrischendes Bad nehmen können. Schließlich die Endstation des Kings Canyon: wir legen uns flach auf den Bauch um uns den Abgrund, der sich unzählige Meter in die Tiefe stürzt, aus der Nähe anzusehen.

Die Nächte verbringen wir ganz urig am Boden in riesigen Schlafsäcken im Kreis um ein Lagerfeuer drapiert. Gekocht wird jedem Tag gemeinsam zu den Mahlzeiten mit viel Gemüse und Fleisch (unter anderem Känguru und Kamel, naja, ich bin noch immer ein bissi skeptisch), das wir schon in Kühlboxen als Vorrat für die Tour mithaben. Und nach Möglichkeit zum Duschen braucht man sich gar nicht erkundigen: negativ. Aber es sind ja nur 3 Tage…

Uluru ClimbKameleOutbackThorny Devil

Der zweite Tag gehört ganz alleine Uluru oder geläufiger Ayers Rock und dem dazugehörigen Nationalpark. Zuerst schauen wir uns das sehr gelungene Kulturzentrum an, das einem die Traditionen und kulturellen Werte der Aborigines sehr gut näher bringt. Dort wird ausdrücklich an die Besucher appelliert den Felsen nicht zu besteigen, da es in ihrem kulturellen Kontext als Initiationsritus verstanden wird, den nicht jeder begehen kann. Noch dazu ist die Besteigung sehr steil, die Oberfläche glatt und rutschig und die Sonne gemein – es sind sogar schon einige Leute ums Leben gekommen, aber viele meinen trotz allem unbedingt hinaufgehen zu müssen. Neben dem Zentrum gehören auch Souvenirshops zur Einrichtung, wo Aborigines Kunst verkauft wird. Schon gut wenn fairer Handel betrieben wird, aber in meinen Augen zu fair, da man bei manchen Preisen glaubt es sei nur ein Scherz.

Uluru bei SonnenaufgangUluru tagsüberUluru bei SonnenuntergangUluru bei Sonnenaufgang

Mit den beiden kompetenten Führern machen wir den 2 km langen Mala Walk, der uns einiges vom Wissen der Ureinwohner lehrt. Danach entscheiden wir uns noch für den 9,4 km langen Basewalk um den Felsen herum. Es mag nicht lang klingen, aber bei dieser Hitze fallen sogar die paar Kilometer geradeaus schwer. Heilige Stätten sind immer wieder beschildert und erklärt und es darf auch nicht alles fotografiert werden um das Kulturgut zu schützen, was dann dementsprechend durch Verbotsschilder gekennzeichnet ist. Man stellt sich immer alles ein wenig anders vor als es wirklich ist, so habe ich mir auch den Felsen weitaus homogener vorgestellt, stattdessen ist er durch unzählige Löcher, Höhlen, Furchen und Rillen gekennzeichnet, die durch das periodisch abfließende und eindringende Wasser verursacht werden. Aber seine eindringliche rote Färbung durch die Oxidation eisenhältiger Minerale bleibt wirkungsvoll.
Am dritten Tag besuchen wir Kata Tjuta oder auch die Olgas genannt, die einige Kilometer östlich vom Uluru liegen. Prinzipiell ist diese Stätte noch heiliger als der Monolith, aber weitaus weniger bekannt. Der Name bedeutet „viele Köpfe“ und es handelt sich um eine rund 36köpfige Felsgruppierung, die man ebenfalls über verschiedene Wanderrouten entdecken kann. Das gute Wetter ist heute zwar nicht mit uns, aber die Wirkung der Felsen trotzdem.

Kata TjutaKata TjutaKata Tjuta

Geologisch gesehen handelt es sich um eine höchst interessante Gegend, die der Wissenschaft noch immer Rätsel aufgibt. Vor allem die geologische Vielfalt ist bemerkenswert, so besteht der Uluru aus Sandstein, der Kings Canyon wiederum aus einer anderen Art von Sandstein, dem „Mereenie Sandstone“, und die Olgas überhaupt aus Konglomeraten, die sich neben Sedimenten auch aus Basalt und Granit zusammensetzen. Auch gibt es nur Vermutungen darüber wie weit sich Uluru und Kata Tjuta noch unter der Eroberfläche ausdehnen, vielleicht 5-6 km? Man ist sich nicht einmal wirklich sicher, ob es sich beim Uluru tatsächlich um einen Monolith handelt. Außerdem gibt es noch den Mt. Conner, der oft mit Uluru verwechselt wird, er ist zwar etwas größer, allerdings handelt es sich nicht um einen Monolithen, sondern um eine Art Tafelberg. Die verbreitete Entstehungstheorie dieser Felsformationen ist, dass resistentere Schichten einfach bestehen geblieben sind und der Rest stärkerer Erosion zum Opfer gefallen ist. So viel dazu.
Schließlich legten wir am letzten Tag den ganzen Weg von den Olgas wieder nach Alice Springs zurück und ließen die Tour mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Zu späterer Stunde feierten wir in der schlechtesten Disko weit und breit, im Malenka´s, das dem Hostel angeschlossen ist. Aber es geht ja nur um die Gaudi ;)

 
 

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