In der Provinz Nan
„Chiang Mai, Chiang Mai, Trekking in Chiang Mai“, alle reden nur davon in der Umgebung der zweitgrößten Stadt Thailands ein Trekking zu den Bergvölkern zu machen. Das wäre eigentlich auch unser Plan gewesen, aber um den Massen zu entgehen, entschieden wir uns für ein alternativeres Trekking in der Provinz Nan. Von Sukhothai muss man aber erst einmal mit einem 50 km/h Bus mit offenen Türen, dafür aber mit Ventilatoren am Gang über eine relativ wechselstabile Straße mit Umsteigen in Phrae (sprich Pääää) in die gleichnamige Provinzhauptstadt fahren.

Dieser Plan stellte sich als äußerst glorreiche Idee mit vollster Zufriedenheit heraus. Das familiäre Amazing Guest House einer chinesischen Familie trug sehr zu unserem Wohlbefinden bei, auch wenn es etwas außerhalb liegt, aber dafür hat die Gastgeberin auch Fahrräder zum verborgen um in die Stadt zu kommen. Heimische Märkte zählen für mich immer zu einem Highlight, wie auch jener in Nan mit all seinen für uns meist unbekannten Köstlichkeiten, die man ausprobieren muss. Hier im Norden merkt man den chinesischen Einfluss schon ganz deutlich und auch das Essen wird in seiner Schärfe um einiges milder als im Süden. Ein Einkaufstipp in Nan ist das Schmuckgeschäft Hill Tribe House, das mit den Bergvölkern zusammenarbeitet und die von ihnen aus Silber gefertigten Schmuckstücke ankauft. Das Reisebüro Fhu Travel, eines der beiden Büros in der Stadt, das ebenfalls von einem chinesischen Ehepaar geführt wird, organisiert ein- und mehrtägige Trekkings in die Umgebung von Nan.
So schließen wir uns einem zweitägigen Trekking zusammen mit einem belgischen Ehepaar an. Mit unseren beiden Führern geht es im Geländewagen in die Umgebung. Bevor wir in die verschiedenen Dörfer gelangen und zu Fuß weitergehen, machen wir noch Halt in einigen Manufakturen um die Herstellung lokaler Produkte zu verfolgen, wie z. B. Ziegelsteine, Öfen oder gewebte Textilien. Übernachtet wird in einem Dorf der Hmong, die hauptsächlich im thai-laotischen Grenzgebiet in beiden Ländern heimisch sind, aber unterwegs finden wir auch kurzen Einblick in die Dörfer anderer Gruppen wie den Thin. Im Dorf angekommen beziehen wir unsere einfachen Holzhütten mit Matten am Boden und Moskitonetzen ausgestattet. Das Essen ist simpel, aber vorzüglich, ich habe noch nie so lecker gewürzte Bambussprossen gegessen! Wir werden gut versorgt, aber das Beste ist eigentlich, dass sich niemand von unserer Anwesenheit stören lässt und wir die einzige Gruppe sind, die dort übernachtet. Das Dorf ist eine kuriose Mischung aus Tradition und Moderne. Auffällig ist die neu asphaltierte Hauptstraße, die hier vorbeiführt, die man vor zwei Monaten für den Besuch der Prinzessin gebaut hatte. Die meisten Häuser im Dorf haben große Satellitenschüsseln am Dach und die Jugendlichen tragen teilweise Röhrenjeans und einen hippen Haarschnitt, aber dennoch ist die Lebensweise sehr einfach und ländlich.
Am folgenden Tag führt uns ein Guide aus dem Dorf durch die Gegend, die zu dieser Jahreszeit gelb, kahl und aus Regenmangel wenig ansehnlich wirkt. Heute führt er uns zu einer Mabrifamilie oder auch Gelbe-Bananenblättermenschen genannt, eine Art Nomadenvolk, das in Kleinfamilien zusammenlebt und mit dem Nahrungsmittelangebot weiterzieht. Sie ziehen es vor abgeschieden zu leben, doch arbeiten einige inzwischen als Wanderarbeiter für die Hmong. Es gibt etwa nur mehr 15 Familien, die in Nordthailand in dieser Gegend leben. Tatsächlich wird unser Führer fündig und die dreiköpfige Familie teilt ihre Gesellschaft mit uns unter einem Laubdach. Das mitgebrachte Fleisch wird mit einer Süßkartoffel im Bambusrohr gedünstet und uns angeboten. Der Versuch uns das Feuermachen beizubringen, ist wenig erfolgreich. Wie lang würden wir wohl überleben wenn man uns dort aussetzen würde? Mich würden wahrscheinlich die Moskitos in den Wahnsinn treiben, die hier wie die Hölle stechen!





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