In Zeitlupentempo den Mekong hinunterschippern, die Beine lang machen, sich von der Sonne küssen lassen und hin und wieder die umwerfende Landschaft bewundern … so ungefähr habe ich mir die 2tägige Fahrt von der thailändisch-laotischen Grenze bis in die angeblich schönste südostasiatische Stadt Luang Prabang vorgestellt. Ab und zu sollte man sich von seinen romantischen Reisephantasien, die wenig mit der Realität gemeinsam haben, verabschieden.

Im Grenzort Huay Xai, der hauptsächlich von den grenzüberschreitenden Tagestouristen lebt, waren wir wie immer noch voll guter Dinge, haben das Mekongpanorama bei Sonnenuntergang von der Dachterasse des Friendship Guest House (auf jeden Fall best value for money wie Lonely Planet sagen würde!!!) genossen und uns über Baguetten zum Frühstück gefreut.

Die Reise begann aber schon relativ mühsam, Stunden vor Abfahrt, die sich von Minute zu Minute zu verzögern schien, wurden wir bereits zu den Booten gebracht. Das Einladen der Touristen auf die Boote schien kein Ende zu nehmen und irgendwann wurde die Menge auch unruhig als man begann Stühle im Gang aufzustellen und sich bald niemand mehr rühren konnte. Rebellisch genug um ein zweites Boot zu fordern, war man als Tourist schon und irgendwann war es auch so weit, dass die Boote sich in Bewegung setzten. So schlecht war dann die Fahrt schließlich auch nicht, bloß kann man sich gern eine weiche Sitzunterlage für die schmalen Holzsitze mitnehmen. Wirklich schlecht war dann eher das Übernachten in der Ortschaft Pak Beng, wo die Boote einen Zwischenstopp machen bevor es am nächsten Tag weitergeht. Das Entladen der Boote endete im Chaos, da es durch die Verspätung schon stockdunkel war und alle zu ungeduldig waren um auf ihr Gepäck zu warten. Aber tragisch war dann noch mehr Pak Beng an sich, eine Lokalmeile mit „English Breakfast“ und „Italien Food“ und sonst noch allem, was man unbedingt erwartet wenn man den Mekong hinunterfährt. Man kann den Laoten schließlich auch keinen Vorwurf machen wenn sie gut von den Tagestouristen leben können und sich an die Bedürfnisse international Reisender anpassen. Das Preis-Leistungsverhältnis war aber mit Abstand am schlechtesten auf unserer ganzen Reise in Südostasien. Aber hier hat man leider nicht die Wahl, außer von welcher der 10 Hände, die nach einem greifen, man für eine Unterkunft angeworben wird. Na gut und am nächsten Tag war das Wetter noch miserabel und es kam ein richtiger Kälteeinbruch, so dass wir nur unter Decken auf unseren Sitzen kauerten.

So ausdrücklich abraten würde ich von dieser Route wieder nicht, man kann sich auch über seine Situation amüsieren und vielleicht war es einfach nur eine Verkettung unglücklicher Ereignisse in unserem Fall. Aber wer von Nordthailand kommt: man kann diese Strecke auch mit dem Bus zurücklegen …

Der Kälteeinbruch hat nicht nur uns überrascht, sondern auch die Laoten froren nicht schlecht in ihren Flip-Flops und ihrer offenen Lebensweise. Nach den anstrengenden zwei Tagen und dem Wettergeschehen sind unsere Eindrücke von Luang Prabang fern von jenen der schönsten südostasiatischen Stadt. Auf der „Straße des weißen Mannes“ (Th Sisavangvong) spielt es sich ab, auf den Nachtmärkten und bei den buddhistischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Im Zentrum hat man den Eindruck, dass sich mehr Touristen hier bewegen als die Stadt überhaupt Einwohner hat. Dass wir in Laos sind, habe ich bislang noch nicht ganz mitbekommen, aber der Wechselkurs ist irgendwie anders als in Thailand?!

Eine kleine Wanderung auf den Hügel Phu Si muss man auf jeden Fall machen, denn die Aussicht auf die Stadt ist wirklich reizvoll und man sieht sogar bis zum Flughafen oder besser gesagt bis zu dem kleinen Betonstreifen hinter dem Fluss. Und wenn man sich etwas vom Zentrum entfernt gibt´s auch wieder die vertrauten Plastiksessel mit dem einheimischen Pauschalmenü!

Dass Luang Prabang nicht sehenswert ist, möchte ich ebenfalls nicht behaupten, aber man muss sich bewusst sein, dass hier auch viele Thailandreisende gerade das nördliche Eck des Landes auf Grund seiner günstigen Lage noch mitnehmen und bei Vientiane wieder das Land verlassen. Im Süden von Laos sieht das Ganze wieder anders aus, aber der Tourismus in dieser Gegend bleibt dennoch sehr stark konzentriert auf wenige Hot Spots, so dass man die Leute, die man auf der Bootsfahrt nach Luang Prabang trifft, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wieder im Hostel in Phnom Penh wiedersieht!

 
 

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